Die Bilderbuch-Familie gibt es nicht

In den vergangenen Monaten haben Tanja und ich immer wieder in unterschiedlichen Gremien der Gemeinde von ORANGE erzählt und Gedanken und Akzente in die Gottesdienste einfließen lassen. ORANGE ist ein Gedanke, der uns sehr bewegt und den wir mehr und mehr in unserer Gemeindearbeit umsetzen möchten. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter ORANGE? In einem Interview erklären die drei Vordenker der ORANGE-Bewegung, worum es sich handelt. Es sind Reggie  Joiner, der „Vater“ und Kopf von ORANGE, Sue Miller, die langjährige Leiterin von Promiseland, der Arbeit mit Kindern bei WillowCreek, und schließlich Carey Nieuwhof, Pastor aus Kanada, der den ORANGE-Ansatz in seiner Gemeinde umgesetzt hat (Quelle: WillowNetz).

Wie würdet ihr ORANGE auf den Punkt bringen?
REGGIE: ORANGE ist die Idee, dass Familie und Gemeinde das Beste erreichen, wenn sie zusammenarbeiten. Diese Partnerschaft ermöglicht mehr, als einer alleine erreichen könnte.
CAREY: ORANGE zu denken bedeutet: Gelb steht für die Kirche – das Licht Jesu. Rot, die Farbe der Liebe, steht für die Familie. Wenn man Gelb und Rot mischt, ergibt sich etwas Dynamischeres – ORANGE. Wenn wir von ORANGE reden, bedeutet das, dass wir Familien und Gemeindeleitungen ermutigen, bei der geistlichen Erziehung der Kinder zusammenzuarbeiten, weil man dadurch mehr erreichen kann.
SUE: ORANGE ist also eine Strategie, bei der Gemeindeleitende und die ganze Gemeinde mit Eltern zusammenarbeiten, um gemeinsam ihre Kinder zu Nachfolgern Jesu zu machen.

Und wie bist du auf ORANGE gekommen, Reggie?
REGGIE: Als wir die North Point Community Church gründeten, stand fest: Wir wollen Menschen erreichen, die normalerweise keinen Gottesdienst besuchen. Und wir nahmen uns vor, strategisch mit Eltern zusammenzuarbeiten, um ihre Kinder positiv zu prägen. Dabei dachten wir intensiv darüber nach, wie eine Gemeinde aussehen sollte, die Eltern dafür gewinnt, in ihre Kinder geistlich zu investieren – unabhängig von ihrem Reifegrad.

Sue, was hat dich an ORANGE so angesprochen?
SUE: Die rund 40 Stunden, die wir pro Jahr mit den Kindern in der Gemeinde haben – die Zeit des Kinderprogramms – reicht als Strategie nicht aus. Das Kinderprogramm ist immer noch wichtig, aber durch den ORANGE-Ansatz kommen die Eltern mit ins Spiel: Sie verbringen ja über 3.000 Stunden pro Jahr mit ihren Kindern. In dieser Zeit können sie sie auch geistlich prägen. Was könnte also passieren, wenn Eltern und Gemeinde zusammenarbeiten, um auf das geistliche Leben der Kinder Einfluss zu nehmen? Die Gemeinde muss Eltern in diesem Prozess unterstützen, wo sie nur kann.

Carey, du hast ORANGE in deiner Gemeinde eingeführt. hat es sich gelohnt?
CAREY: Absolut. Wenn dir klar ist, dass Eltern den größten Einfluss auf ihre Kinder haben, sie aber nicht der einzige Einfluss sind, den ein Kind braucht, erweitert sich deine Perspektive als Pastor: Zusammen mit den Leitern der Kinderarbeit zerbrichst du dir nicht nur den Kopf über die eine Stunde Kindergottesdienst am Sonntag, sondern denkst auch darüber nach, wie du den Eltern helfen kannst, mit ihrem Einfluss gut umzugehen. Das verändert, was du am Sonntag machst. Wir haben festgestellt, dass sich dadurch viele Verhaltensmuster in den Familien verändern.

Erreicht man Kirchendistanzierte ebenfalls mit ORANGE?
CAREY: Auch wenn Gott nicht für jeden wichtig, ihre Familie ist in der Regel allen wichtig. So können wir Brücken bauen, indem wir über Kindererziehung reden und entsprechende Angebote machen. Das ist oft ein guter Einstieg in eine Beziehung zu Jesus.

Setzt ORANGE ein intaktes Familienleben voraus?
REGGIE: Genau das Gegenteil ist der Fall. Bei ORANGE gehen wir davon aus, dass es die Bilderbuch-Familie nicht gibt. Jede Familie befindet sich in einem unterschiedlichen Stadium, hat eine einzigartige Struktur, Probleme und steht vor Herausforderungen.

Wenn eine Gemeinde sich auf ORANGE einlässt, was heißt das für die Mitarbeiter im Kinder- und Teenagerprogramm?
SUE: In der Vergangenheit versuchten die Kindergottesdienstmitarbeiter am Sonntag ein Top-Programm anzubieten. Durch ORANGE investieren sie 80% ihrer Ressourcen in den Kindergottesdienst und unterstützen mit den übrigen 20% die Eltern, das am Sonntag gelernte in den Alltag hineinzutragen. Als Gemeindeleitung oder Pastor trifft man sich regelmäßig mit den Verantwortlichen für den Kinder- und Jugendbereich. Gemeinsam denkt man darüber nach, wie man die Eltern darin unterstützt, die 20 Jahre mit ihren Kindern sinnvoll zu nutzen.

Klingt nach noch mehr Arbeit. Wie zeitintensiv ist ORANGE letztlich?
CAREY: Man könnte auch fragen: Wie zeitintensiv ist die Familie? Die Antwort: Sehr zeitintensiv. Aber es lohnt sich! Wenn eine Gesamtstrategie entwickelt worden ist, ist ORANGE nicht zeitintensiver als die Arbeit vorher – man erzielt aber eine viel größere Wirkung.

Gibt es einen Unterschied zwischen großen und kleinen Gemeinden, die den ORANGE-Ansatz nutzen wollen?
SUE: Alle Eltern wünschen sich einen guten Draht zu ihren Kindern – auch wenn diese längst aus dem Haus sind. Als Leitung einer großen oder kleinen Gemeinde können wir Eltern das Gefühl geben, dass sie dabei nicht alleine sind, indem wir ihnen helfen, ihre Kinder in jeder Entwicklungsphase richtig zu begleiten. Wir sollten alles tun, dass jeder Elternteil – ganz gleich ob allein erziehend, geschieden, verwitwet oder verheiratet – diese Unterstützung erhält.

Was ist der erste Schritt zur Einführung von ORANGE?
REGGIE: Man muss begreifen, dass Gemeinde und Familie nicht auf gegenüberliegenden Seiten stehen und die eine Partei einflussreicher als die andere ist. Im nächsten Schritt gilt es zu erkennen, dass der Einfluss der Gemeinde umso größer wird, je besser man mit den Eltern kooperiert. Wir sind fest überzeugt: was zu Hause passiert, ist letztlich wichtiger als das, was in der Gemeinde passiert.
Viele meinen, ORANGE sei ein bestimmtes Modell. Tatsächlich sind es aber bestimmte Prinzipien und Werte, die zu jedem Familienarbeits-Ansatz passen.


Wenn Ihr mehr zu Orange wissen wollt und Euch noch intensiver mit den Gedanken und einer möglichen Umsetzung beschäftigen wollt, sprecht uns gerne an.

Tanja und Sebastian D. Lübben

Kontakt

EmK Neuschoo
Franz-Klüsner-Weg 7
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