Andacht - Oktober / November 2017

Liebe Freunde,

ein Blitz, ein Schreck und schnell geht der Fuß vom Gaspedal. Und einige Zeit später liegt dann der Brief im Kasten, der Bußgeldbescheid. Jetzt muss ich dafür büßen, dass ich so schnell gefahren bin, jetzt muss ich für meine Gesetzesübertretung gerade stehen und bezahlen. Die Rechnung begleichen, die das Ordnungsamt aufgemacht hat, vielleicht sogar – wenn ich ganz, ganz schnell unterwegs war, den Führerschein für eine Zeit abgeben. Ich muss büßen, nicht nur wenn ich geblitzt wurde, auch wenn ich auf andere Weise mit einem Gesetz oder einer Verordnung in Konflikt geraten bin.

Wie passend, dass uns gerade jetzt im Oktober, im Reformationsmonat, wo die Festlichkeiten zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags Luthers in Wittenberg ihren Höhepunkt erreichen, ein solches Bibelwort begleitet. Es wird Freude sein vor den Engeln – der Vers fängt fröhlich an und wir können uns gerne ein fröhliches und ausgelassenes himmlisches Fest vorstellen, mit allem drum und dran. Wie die Engel eben feiern, wenn hier auf Erden ein Mensch (wieder) zu Gott findet. Das ist befreiend für uns Menschen – und es ist ein Fest in Gottes Reich!

Doch gehen wir noch einmal zurück zu Martin Luther. Was wollte er damals vor 500 Jahren? Luther hatte das Ziel, die Kirche zu reformieren. Doch dadurch dass sie sich dem verweigerte und ihn ausstieß und vor die Tür setzte, entstanden die evangelischen Kirchen weltweit, auch die evangelischen Freikirchen. In seinen Thesen setzte sich Luther mit dem Ablasshandel auseinander. Und er forderte die Aufhebung zeitlicher Strafen vor Gott für Sünden, deren Schuld bereits getilgt ist. Das eigentliche Thema der 95 Thesen von Luther ist aber die Buße.

Was heißt „Buße tun“? Zu Luthers Zeiten verstand man darunter einen kirchlichen Ritus, zu dem die Beichte bei einem Priester gehörte und die Ableistung von Strafen, die dieser Priester zur Wiedergutmachung für die Sünden festgelegt hatte. So wurden die Strafen und eben die Ableistung der Strafen zum wichtigsten Punkt bei der Buße. Und so kennen wir den Vorgang noch heute aus unserem Sprachgebrauch, wenn ich das „Bußgeld“ bezahlen muss oder jemand gar eine Haftstrafe zu „verbüßen“ hat.

Luther wollte nun mit seinen Thesen darauf hinweisen, dass die Buße im Neuen Testament mit einem „Abbüßen“ von Strafen nichts zu tun hat, sondern eine bestimmte Haltung des Herzens vor Gott ist. Und so verstehen wir es noch heute und so füllen wir den – zugegeben auch heute etwas sperrigen und unverständlichen Begriff der „Buße“. Buße beginnt mit der Einsicht, vor Gott schuldig zu sein, und geschieht durch Bekenntnis der Sünden sowie das Vertrauen auf die Zusage von Gottes Vergebung. Wir erleben diesen Moment, wenn wir miteinander Abendmahl feiern und Jesus uns einlädt, mit reinem Herzen an seinen Tisch zu kommen, wo wir vorher unsere Schuld erkannt und beim Namen genannt haben – und wir gehört und empfangen haben, dass Christus uns vergibt. Wer sich den eigenen Fehlern stellt, wer sich als Ebenbild Gottes immer wieder vor den Spiegel stellt und sich fragt, ob er wirklich im Sinne Gottes, seines Schöpfers, gehandelt hat, wer es damit ernst meint, der fängt an, sein Leben zu ändern, selbst wenn ihm keine Strafen aufgebrummt werden. Wer Buße tut, der versucht sich nicht zu rechtfertigen, sondern erkennt seine Schuld, und nimmt dankbar an, dass Gott den Sünder, der in diesem Sinne Buße tut, nicht verwirft, sondern sich mit himmlischer Freude an ihm freut. Welch ein Fest, wo wir die Freiheit haben, zu unseren Fehlern zu stehen und zu Gott umzukehren.

Dein Pastor Sebastian D. Lübben

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